Ab ins Palais Bellevue
Geschichtstag 2026 - Junge Leute zeigen Geschichte

Mittwoch, 23. 09.2026, 16 - 20 Uhr
Palais Bellevue, Schöne Aussicht 2, 34117 Kassel

Der Geschichtstag ist zweigeteilt!

Erster Teil - 16 bis 18:00 Uhr:
Junge Leute zeigen, was sie an Geschichte interessiert

16 Uhr: Geschichtsverein - Aktuelle Vorhaben, Vorstellungen

> ‎Pianissima - Altes Liedgut (Volkslieder) jung interpretiert

> Initiativen, Ideen, Projekte 

> Workshop (alternativ und bis 17:30 Uhr)


17 Uhr: Begegnung und Gespräche

Plakatausstellung 15. und 16. Jahrhundert:
Cassel-Stadtbild, Ritterspiele 1598, Bürgerliche Fechtkunst 15. Jhdt.
Auf historischen Abbildungen Orte in Kassel finden und erkunden.


Pause, Schmeckewöhlerchen, Gelegenheit für Unterhaltungen 

Zweiter Teil - von 18 - 20 Uhr:

Präsentation - Fechtkunst in mittelalterlichen Gesellschaften

Vortrag - Junck ritter lere. Kämpfen lernen im Spätmittelalter


1598 lädt Landgraf Moritz nach Cassel zu einem großartigen Event und Spektakel ein, die europäischen Höfe senden Delegationen. Solche Turniere und Ritterspiele prägen unser Bild vom Mittelalter. Welche Rolle spielen Zweikämpfe in dieser Zeit. Bei Gerichtsverhandlungen, der Zweikampf als Gottesurteil oder  in den Städten, eine eigene Praxis des Fechtens in der Bürgerschaft? Neue Forschungen korrigieren unser Verständnis des städtischen Lebens.


Mehr zu den Programmpunkten

Volkslieder, vorgetragen von Pianissima:
Das sind zehn junge Frauen, die altes Liedgut frisch vortragen: Heinrich Heine "Die Gedanken sind frei" (um 1800), das Wanderlied "Im Frühtau zu Berge" (um 1900) und mehr.

Ist es nicht an der Zeit, dieses Kulturgut heute, im demokratischen freiheitlichen Denken zu pflegen und gemeinsam singend aufleben zu lassen!

In einem
Vortrag verdeutlicht Cedric Benöhr (Student und aktives Mitglied seit 2024) wie neue und junge Ideen in die Vereinsarbeit einfließen, Geschichtsclub,  Instagram Beiträge, Reenactment, Museen kennenlernen, Stadtquartiere erkunden. Mit ihm zusammen stellen studentische Mitglieder Projekte vor: "Vom Pinsel zur Linse", "Nicht nur Sokrates hatte seine Eremitage", "100 Jahre Hessenkampfbahn in Bildern"


In einem Workshop sind Sie eingeladen, Feldpost-Briefe aus den 1940er Jahren zu untersuchen und erste Forschungsergebnisse zu diskutieren. Sie können Dokumente einsehen und selbst versuchen, anhand von Kopien die Mitteilungen zu entziffern, einzuordnen und zu deuten.


Eine produktive Pause (mit einer Kleinigkeit an Brot und Wasser) leitet dazu über, am innovativen Zugang zu einem alten Kasseler Ereignis und in die Zeit um und vor 1600 teilzuhaben.

Die Ritterspiele 1596 in Kassel

Auf Plakaten vollziehen Sie nach, warum und wie Landgraf Moritz dieses Event und Spektakel hat veranstalten lassen. Delegationen aus europäischen Fürstenhäusern sind nach Kassel eingeladen. Anlass ist die Taufe der Tochter Elisabeth. Wahrscheinlich mehr als eintausend Gäste und Mitwirkende kommen in die Residenzstadt. Das Ereignis hat Wilhelm Dilich in einem Prachtband dokumentiert, gedruckt bei Wilhelm Wessel 1598 und (erweitert) 1601. Ausgewählte Stiche haben wir großformatig reproduzieren lassen und stellen diese als "Geschichte an der Wäscheleine" aus.
Diese Abbildungen sind aufschlussreiche Dokumente, um das Kasseler Stadtbild um 1600 rekonstruieren zu können. Davon ausgehend lassen sich Orte im heutigen Kassel finden und erkunden. Wir diskutieren gern mit Ihnen darüber und prüfen, inwieweit die dargestellten Turnierplätze und die Aufstellungen als reale Gegebenheiten aufgefasst werden können. Vorsicht ist besonders angebracht, wenn wir in den allegorischen Aufzügen von Kostümgruppen die Spielorte in den Fulda-Auen ausmachen wollen. Dargestellt sind zumeist fiktionale Inszenierungen, aufgepeppt mit mythologischen Motiven im Vordergrund und mit Ortsdarstellungen, in die zumeist die Silhouette Kassels als Hintergrund eingebaut ist. Das alles hat zugleich eine politische Bedeutung. Dilichs Werk ist ein Berichtsband, der nachträglich und 1601 in zweiter Auflage korrigiert wird, verfasst im Auftrag des Landgrafen.


Zur Fechtkunst:

Wir können davon ausgehen, dass im 16. Jahrhundert in Kassel in der von Landgraf Moritz gegründeten Ritterakademie auch das Fechten auf dem Programm stand. Ebenso ist zu prüfen, ob im in dieser Zeit eingerichteten Ballhaus am Rand der Rennbahn nicht allein das Jeu de Paume (Vorform von Tennis) gepflegt wurde, sondern auch Zweikampf und speziell das Fechten gelehrt wurden.

In Frankfurt erhält 1487 die von Bürgern gegründete Marxbruderschaft das kaiserliche Privileg, das Fechten (synonym für Kämpfen) zu unterrichten, zu Veranstaltungen einzuladen und ihre Praxis vorzuführen. Die
selbst entwickelte Fechtkunst bildet das Streben städtischen Bürgertums ab, eine vormals dem Adel vorbehaltene Praxis eigenständig zu entwickeln.
Diese Kunst zeigen Fechtbruderschaften
in eigener Öffentlichkeit.

Mitglieder der "Leichtmeisterei - Historisches Fechten Kassel e. V." vermitteln uns einen speziellen Zugang in die Zeit vor 1600. Es sind Fechtkünstler, die ausgehend von alten Lehrbüchern (14. bis 16. Jahrhundert) Techniken einstudiert haben und uns zudem auf den Stellenwert und die Eigenständigkeit der Kampfkunst in städtischen Bürgerschaften aufmerksam machen.


Der Vortrag von Matthias Guckenbiehl (Doktorand bei Prof. C. Jaser, Fachbereich Geschichte, Universität Kassel) vermittelt uns einen bislang wenig erforschten Einblick in die Bedeutung von mittelalterlichenZweikämpfen, der  Fechtkunst und von Fechtbrüderschaften:
Junck ritter lere. Kämpfen lernen im Spätmittelalter

In den angesehenen Vereinigungen pflegen Bürger die Fechtkunst, zeigen diese öffentlich, ausgestattet mit kaiserlichem Privileg.


Wir laden ein: 
Besuchen, anschauen, mitmachen, zuhören, sich informieren, austauschen...

PDF    .....     oder >

Bildstrecke