Eine Postkarten - Serie ...- ...Fotokunst und Kartenkunst
Kassel ist um 1900 ein sehr angesagter Ort. Touristen aus Deutschland und Europa besuchen die Residenzstadt. Der Bergpark mit den Wasserspielen ist Teil des Programms. Im Mittelpunkt stehen aber die Altstadt, die Palais an der Schönen Aussicht, die bedeutenden Museen, die Hauptplätze Königsplatz und Friedrichsplatz mit dem Zugang zur Karlsaue, weiter dann die breiten als Boulevard angelegten Achsen der Stadterweiterung.
> Altstadt - Das sind die Fachwerkhäuser im nordhessischen Architektur-Typ, dazwischen die repräsentativen Steinbauten im Stil der Renaissance und Neugotik.
> Die Boulevards im Westen mit den auf den Herkules ausgerichteten Straßenzügen und fünfstöckigen Wohn- und Geschäftshäusern im gefälligen Historismus-Mix: Hohenzollernstraße (Friedrich-Ebert-Straße), Kaiserstraße (Goethestraße), Wilhelmshöher Allee und Weinberg.
> Die drei das Stadtbild prägenden großen Plätze
> Der Ständeplatz als Grande Boulevard mit drei Baumreihen, eine Einladung zum Promenieren.
> Die Verkehrsachsen nach Osten, Süden, Westen und Norden (die Leipziger, Frankfurter, Cöllnische und die Holländische), breite Straßen mit sehr ansehnlichen Wohn- und Geschäftshäusern aus der zweiten Gründerzeit (ab 1890).
> Die Villenkolonie in Mulang mit einem Gebäudemix aus Schweizer Stil und Neoklassizismus.
Diese Sehenswürdigkeiten dokumentieren mehrere Stadtführer-Hefte mit eindrucksvollem Bildmaterial. Aber noch vielfältiger sind die Bilddokumente, die als Ansichten auf fast eintausend verschiedenen Postkarten von Malern, Zeichnern und Fotografen festgehalten wurden.
Bilddokumente auf Postkarten sind als eigene Quellengattung noch wenig erforscht.
Zur Serie selbst:
Einer der großen deutschen Verlage hat diese herausgegeben, die
Kunstanstalt Stengel & Co., Dresden und Berlin
Die Karten sind nummeriert:
Kaiserdenkmal 5, Schomburg 6, Bassin 7,
Regierungsgebäude 3387
Foto-Technik
Das in der Zeit um 1900 übliche Lichtdruckverfahren, fotomechanischer Flachdruck auf der Basis von Halbtönen, ohne Rasterung
Im Hintergrund sehenswürdige Orte in Kassel und davor Personen
Bildrand gerundet
Schwarz-Weiß - Hintergrund leicht diffus
Personen sind deutlich erkennbar
Interpretationen
Die
Abbildung "Spaziergängerin am Aue-Bassin"
ist zweifach interessant:
Einmal, weil es noch um 1900 nicht üblich ist, dass Frauen allein spazieren gehen. Das Foto zeigt eine gut gekleidete Dame mit Sonnenschirm. Sie hat Schwäne gefüttert, einige Tiere schwimmen noch auf sie zu. Die Frau schaut zu den Tieren, sie steht allein am Bassin-Rand und hält sich anscheinend ohne Begleitung in der Karlsaue auf. Das ist um 1900 noch etwas unschicklich.
Zum anderen, der Text am Rand, passt er zum Bildmotiv? Deuten die Auswahl der Postkarte und der Kurztext an einen Herrn etwas an? Eine Unterschrift fehlt.
Darüber lässt sich nur spekulieren. Zu beachten ist, dass um 1900 Postkarten als das wichtigste, zeitlich kurzfristige Kommunikationsmittel verwendet wurden. Eine Verabredung ließ sich an einem Tag treffen. Morgens mit Termin und Ort an der Abgabestelle eingeworfen und die Antwort erreichte den Absender am Nachmittag. Solche Verabredungen an einem Tag belegen zahlreiche Postkarten für die Kommunikation in einer Stadt, einige Exemplare weisen das auch für z. B. die Postverbindung Kassel - Berlin nach.
Die Postkarte hier ist am 13.09.00 abgestempelt, sie wird allerdings erst am 17.09.00 zugestellt, wie der "Bestellt" Stempel am Rand links nachweist.
An Herrn F. Flurring in Berlin ...
Text: CASSEL - 15/9.00 - Hzl. Gruß - D D?ron? - Bitte mein Still ? sch ? - zu ent. - schuldigen, -
wenig Zeit!
Die Postkarte "Regierung vom Marställerplatz" ist an ein Fräulein Ol. Röder, adressiert. Die Zeile darunter gibt eine Vermietung an: bezieht sich aufDie Adresse weicht von den drei anderen Karten ab, Berlin, Klopstockstr. 39
In Cassel am 06.09.00 abgestempelt
Fake - PK
zu Platz vor RP




